Verbraucher greifen bei Möglichkeit lieber zur Papiertüte – man will der Natur damit etwas Gutes tun. Doch entgegen der landläufigen Meinung sieht es um die Ökobilanz der Papiertüte gar nicht mal so rosig aus. Wie es um die Ökobilanz beider Materialien wirklich steht und welche Alternativen tatsächlich gut für die Umwelt sind, erfahren Sie hier. 

Papier vs. Plastiktüte

Warum die Plastiktüte so verbreitet ist

Alleine in Deutschland werden jährlich ungefähr 6 Milliarden Plastiktüten verbraucht. Damit ist die Anzahl zwar seit dem Jahr 2000 um eine Milliarde gesunken, jedoch verheißen die Zahlen nichts Gutes. Durch den maßlosen Konsum entstehen jährlich rund 95.000 Tonnen Plastik-Müll alleine in Deutschland. Für die Industrie ist die Plastiktüte eine lukrative Alternative zur Papiertüte, da sie sehr günstig in der Herstellung ist. Auch verursacht die Produktion kaum Emissionen. Plastiktüten besitzen ein sehr niedriges Eigengewicht bei zeitgleich hoher Reißfestigkeit, wodurch sie sich günstig transportieren lassen. Auch die Verarbeitung ist sehr unkompliziert. Allerdings sind die Vorräte an Erdöl endlich, weshalb eine Alternative erforderlich ist. Der biologische Abbau der Tüte dauert Jahrtausende, weshalb die Tütchen letztendlich in Form von schädlichem Mikro-Plastik im Meer und folglich in der Nahrungskette landen.

Die Papiertüte als umweltfreundliche Alternative

Papiertüten sind biologisch abbaubar und Holz ist eine nachhaltige Rohstoffquelle, daher ist die Papiertüte die umweltfreundliche Alternative zur Plastiktüte – so zumindest der Gedankengang vieler. Fakt ist leider, dass die Herstellung der Papiertüten etwa die doppelte Menge an Energie benötigt. Auch werden bei der Herstellung der Papiertüten Umweltgifte wie Schwefeloxid, Stickoxid und weitere Chemikalien frei. Durch das hohe Gewicht der Papiertüten entstehen durch den Transport höhere Emissionswerte. Auch bezüglich der Wiederverwendbarkeit können Papiertüten nicht mithalten, da sie weder wasserabweisende Eigenschaften noch eine ausreichende Reißfestigkeit besitzen. Eine akzeptable Alternative zur Plastiktüte bietet auch die Papiertüte leider nicht.

Tüten aus Baumwolle als Lösung

Die Herstellung von Tüten aus Baumwolle verursacht hohe Emissionen. Zum Vergleich: eine Papiertüte verursacht den Ausstoß von 60 Gramm Kohlendioxid. Eine Plastiktüte verursacht den Ausstoß von 120 Gramm Kohlendioxid. Bei einer Baumwolle werden ganze 1.700 Gramm Kohlendioxid freigesetzt. Allerdings lässt sich eine Tasche aus Baumwolle unzählige Male wiederverwenden, wodurch sich dieser Wert wieder ausgleicht. Grundsätzlich kommt es weniger auf das Material der Tüte an, sondern vielmehr darum, wie oft sich eine Tüte wiederverwenden lässt.